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Gina Lee Felber
Neue Zeichnungen
26.03. - 16.05.2015

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Gina Lee Felber – Neue Zeichnungen
26. März – 16. Mai 2015
Eröffnung: Mittwoch, 25. März 18-22 Uhr

„Hier lacht den Geistern, vom Leben geschieden, nur Seligkeit.“
(Eurydice, aus Orpheus und Eurydike,1762, Christoph Willibald Gluck)

Felbers neuesten Werkzyklus bilden kleine bis mittelgroße Temperaarbeiten auf Papier. Aus gelblich-bräunlichem Grund erheben sich geisterhafte Wesen und sonderbare Gestalten. Was zunächst wie ein abstraktes Linienspiel anmutet, entpuppt sich auf den zweiten Blick als Gewimmel von Gesichtern, Kriegern, Tieren, Fabelwesen und Ungeheuern. Mit meist hauchdünner Linie gezeichnet erweckt Felber ihre Figuren zum Leben.

Formal zum Teil an asiatische Zeichnungen oder Kalligrafien erinnernd, lehnt sich die neue Werkgruppe im Farbtonus an frühere Arbeiten Felbers an. Gedämpfte bis dunkle Farbtöne, die nur manchmal von Weiß- oder Hellblautönen durchbrochen werden, dominieren die Blätter. Doch anders als in früheren Arbeiten sind jetzt frei erfundene Geschichten bildlich auf Papier gebracht. Die ausgedachten Protagonisten folgen keiner Vorlage, keinem bewussten Vorbild, wie dies die Werkgruppen der Stühle, Büsten oder Sympathisanten tun. Hier finden sich Kopffüßler, Vielbeiner, Phantasiefiguren und Mischgestalten der unterschiedlichsten Art.

Das oftmals Statische in Felbers letzten Werkgruppen wird ganz aufgehoben. Bewegung und innere Dynamik charakterisieren die neuen Zeichnungen. Zart und - für Felber typisch - ein bisschen vom Betrachter entrückt, evozieren die feinen Liniengestalten immer neue Narrationen. Mal Totentanz, mal Reigen seliger Geister, ein Vorspiel, ein schützendes Elysium für den Betrachter, der wie Orpheus sich gleich auf den Gang in die Unterwelt begibt.
So bleiben die Wesen Grenzgänger zwischen Dies- und Jenseits. Der Betrachter blickt auf eine Welt, die die unsere zu spiegeln scheint, aber keinen direkten Zugang zu ihr erlaubt.

Hier schließt sich bei Felber der Bogen zu Felbers früheren Arbeiten. Stets wiederkehrend die Auseinandersetzung mit Transitorischem. Hell und Dunkel, Licht und Schatten, Schwarz und Weiß, Tod und Leben. Am Rand der Welt sind die Übergänge fließend für Totes, Lebendiges und Wiedergeborenes.