galerie julia garnatz
Accrochage
6.9. - 25.10.2014

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ACCROCHAGE
Siegfried Anzinger, Gina Lee Felber, Ilona Herreiner, Katarina Lönnby, Vanessa Oppenhoff, René Kemp, si mon Rheymon, Ramona Schintzel

6. September bis 25. Oktober 2010

Düsseldorf Cologne Open 2014
Eröffnung: Freitag 5. September 18 - 22 Uhr
Samstag 6. September 12 – 20 Uhr
Sonntag 7. September 12 – 18 Uhr

Die Ausstellung ACCROCHAGE zeigt acht künstlerische Positionen des Galerieprogramms: Siegfried Anzinger, Gina Lee Felber, Ilona Herreiner, Katarina Lönnby, Vanessa Oppenhoff, René Kemp, si mon Rheymon und Ramona Schintzel. Die Arbeiten geben einen Einblick in das aktuelle Schaffen der Künstler und erzeugen in der Gegenüberstellung einen spannungsreichen Dialog.

Charakteristisch für Siegfried Anzinger (*1952), Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Düsseldorf, erscheint das Thema Schöpfung multivalent. Schaffen als Moment der Ewigkeit, als dauernde Erneuerung, ohne auch nur im Entferntesten eine sentimentalische Erhöhung einer biblischen Vorlage, des “noble savage”, der Meerjungfrauen oder anderer Bildinhalte zu implizieren. Der Bildinhalt ist die Stimulanz der Malerei.

Dem gegenüber stehen die kühlen Fotografien Gina Lee Felbers (*1957), die mit Erkennbarkeit, mit Licht- und Schattenwelten spielen. In der gezeigten, mehrteiligen Arbeit lassen sich die für Felber typischen Themen erkennen: Vergänglichkeit klingt an, es geht um Hüllen und um Bewahren, um Zerbrechlichkeit, Transitorisches, um Relikte und moderne Reliquien.

Neue Arbeiten präsentiert auch Ilona Herreiner (*1970). Mythologie und Fabelwelt, sowie zutiefst Menschliches treffen aufeinander und finden in den stets aus einem Stück gearbeiteten Holzskulpturen ihren ungewöhnlichen Ausdruck. Humorvolle, kleine Figuren hat Herreiner aus mittel-formatigen Holzgipfeln herausgearbeitet. So schaukelt ein vergessenes, hochbetagtes Dornröschen unbeirrt in ihrem Rosenhag oder ein Schwimmer mit Flossen paddelt von Ballons getragen durch die Luft und ein Alpinangler wartet mit einem Schweizer Käse als Köder auf Beute.

Bei der Schwedin Katarina Lönnby (*1967) werden Mythen und Phobien hinterfragt. Lasierend gemalt oder auch kräftig gezeichnet entwickeln sie in Figuren übersetzt ein verstörendes Eigenleben. Überlebensgroße Spinnen werden zu multivalenten Protagonisten, denen ein eindeutiges Sinnen in ihren Handlungen nicht zuzuordnen ist. Saugen sie ihr Opfer aus oder beschützen sie es? Korrespondierend zu Wesen auf Papier und Leinwand vergegenständlichen sich die Phantasiewesen auch in skulpturalen Objekten und Assemblagen.

Mit Nadel und Faden näht Vanessa Oppenhoff (*1971) ihre formal wie inhaltlich vielschichtigen Bilder. Collagenhaft sind mehrere Schichten unregelmäßig übereinander gelegt: Zeitungspapier, Fotokopien und zuoberst stets das benähte Velinpapier, ein festes, hochwertiges, pergamentartiges Papier, das seine Ursprünge in der mittelalterlichen Buchmalerei hat. Die Bildinhalte sind unserer westlichen Bild- und Erfahrungswelt entnommen und spielen mit Themen wie Natur und Naturwissenschaft, Comic, Konsum- oder auch der Stadtkultur.

Der Schüler von Marcel Odenbach René Kemp (*1982) hat zuvor bereits zwei Studiengänge absolviert: Germanistik mit Sprach- und Literaturwissenschaften, sowie ein Studium an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Zeichnung, Malerei sowie graphische Arbeiten haben in Kemps Œuvre gleichermaßen Bedeutung. Sprache, Zitate und das geschriebenen Wort sind immer wieder immanenter Bildbestandteil. Kemp erwartet einen gebildeten Betrachter, der Querverweise erkennt und sich damit der Bildaussage annähern kann. Eine Lösung findet man dabei selten, aber eine Anregung zu vielschichtigen Gedankenspielen.

si mon Rheymon (*1982) der gerade in Leipzig sein Meisterschülerjahr bei Heribert C. Ottersbach absolviert, ist ein Meister im Spiel mit Realitäten wie Identitäten. Seine medial sehr variierenden Arbeiten düpieren Sehgewohnheiten und spielen mit unseren Erwartungshaltungen. Und sollte man einmal glauben, einer seiner sich überlagernden Videoinstallationen oder Siebdrucke auf den Grund gekommen zu sein, ist der Künstler bereits als Simeon Rhijman untergetaucht und auf dem Weg zu neuen Horizonten.

Ramona Schintzel, (*1982) war Meisterschülerin bei Axel Kasseböhmer. Mit pastosem Farbauftrag in der Malerei und mit feiner aber kräftiger Linie in den Papierarbeiten schafft sie Porträts. Kinder mit alten Gesichtern und Erwachsene mit verzerrten Proportionen posieren in einem bürgerlichen Bildraum. Bildinszenierungen wie wir sie von Fotos aus eigenen Alben kennen. Sie blicken den Betrachter an und scheinen die immer gleiche Frage zu stellen: wie viel Mittelklasseidyll ist wirklich schön? Wann kippt es ins Groteske? Wie lange hält es die Balance zwischen Normalität und komplettem Wahnsinn?