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Gina Lee Felber
Sympathisanten
31.03. – 19.05.2012

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Gina Lee Felber
Sympathisanten
31. März–19. Mai 2012

Eröffnung: Freitag, 30. März 2012, 18 – 21 Uhr
Mit einer Einführung von Uta M. Reindl um 19 Uhr

 

„Und dann und wann ein weißer Elefant.“
(Rilke „Das Karussell“)

Sympathisanten zeigt eine Gruppe von großformatigen Papierarbeiten in der für Felber typischen schwarzen Temperamalerei, die durch ihre Hinterglasrahmung eine fotografische Schwarz-Weiß-Ästhetik erhält. In dieser neusten Werkgruppe erschließt die Künstlerin ein, wie es scheint für sie völlig neues Genre: Tierbilder. Doch es sind keine Bilder von lebendigen Tieren aus der Natur, mit denen sich der Betrachter konfrontiert sieht, sondern es sind Bilder von Tierfiguren: Karusselltieren, Spielzeugtieren, Aquamanilen in Tiergestalt oder auch Zierfiguren.

Felbers Tierbilder handeln nicht von Tieren, sondern sie handeln von Menschen. Die Tierfigur als alter ego, als zweite Existenz, als Schatten. Sie beinhaltet Informationen über ihre Erschaffer oder Besitzer, deren Bedürfnisse und Wünsche. Aller Sentimentalität entrückt, die dem Topos Tier anhaften könnte, fungieren sie hier als Projektionen. Tieren werden von je her außergewöhnliche Fähigkeiten zugesprochen. In vielen Kulturen dienen sie als Verkörperung des Göttlichen oder als Symbol herrschaftlicher Macht. In unserer westlichen Kultur belegen Tiere heute sogar den Status „bester Freund des Menschen“. Sie sind Sympathieträger – nicht bei Felber, hier sind es Sympathisanten: „Personen, die für eine Gruppe, deren Idee, Ideologie oder ihre Vertreter Sympathie empfinden und dies öffentlich bekunden.“

Felbers Tiere sind nicht nur kündende Sympathisanten, sie sind auch Relikte einer längst vergangenen Bedeutung, transformiert in eine neue Existenz. Eine Existenz um ihrer selbst willen, autonom, eigenständig und doch der Gruppe der Sympathisanten angehörig. Sympathisanten ihrer eigenen Gruppe und Idee. Es schließt sich der Kreis im Selbstzweck. Sein um des Seins willen.

Nicht nur formal, sondern auch Inhaltlich stehen die Sympathisanten in Kontinuität mit den früheren Serien der Stühle und Büsten: die immanente Auseinandersetzung mit Tod und Vergänglichkeit, mit Transitorischem, mit Relikten und Bewahren. Sie sind „... alle aus dem Land, das lange zögert, eh es untergeht“ (Rilke „Das Karussell“).

Einen weiteren Aspekt der Ausstellung bilden Felbers Skulpturen. Objekt-Assemblagen, die zugleich Unbehagen und ästhetische Neugier evozieren. Auch hier geht es um Menschliches. Innenwelten werden sichtbar gemacht gleich einem menschlichen Schaltkreis, einer Psychologie, einem Speicher, mit hohem Anspruch auf Authentizität. Wie die Überreste von etwas, das einmal stattgefunden hat, wie bloßgelegte Intimität, dem Betrachten schonungslos preisgegeben und zugleich doch oft auch mit einem Augenzwinkern versehen.

Anlässlich der Ausstellung erscheint eine kleine Publikation mit einem Text von Uta M. Reindl.