galerie julia garnatz
Vanessa Oppenhoff
Going my way
28.05.–16.07.2011

> Pressetext
> pdf
> Vita
> Installationsansicht

Vanessa Oppenhoff - Going my way
28.05.–16.07.2011

Eröffnung: Freitag 27. Mai 2011, 18 – 21 Uhr

 

In einem Filmstill sieht man die weiße Silhouette eines Mannes im Trenchcoat, neben ihm ein rosa Koffer. Von Ferne nähert sich ein LKW der Hundefutterfirma Chappi. Eifrige Bienen schwirren am Bildrand. Vor nachtschwarzem Hintergrund hat die Figur ihre rechte Hand mit gestrecktem Daumen zum Trampen erhoben. Unter dem anderen Arm trägt der Mann ein Schild mit der Aufschrift: going my way?
Going my way – jedoch nicht als Frage formuliert, ist der Titel zur aktuellen Ausstellung der in New York lebenden Kölner Künstlerin Vanessa Oppenhoff.

Mit Nadel und Faden näht Oppenhoff ihre formal wie inhaltlich vielschichtigen Bilder. Die Bildinhalte sind unserer westlichen Bild- und Erfahrungswelt entnommen und spielen mit Themen wie zwischenmenschlichen Beziehungen, Natur und Naturwissenschaft, der Konsum- oder auch der Stadtkultur. Vertraute Ansichten wie das Werbeschild am amerikanischen Highway, ein Tanzschrittmuster, Tierkreiszeichen, schaukelnde Kinder und Tiere aller Art werden von der Künstlerin aus dem gewohnten Kontext genommen und transformiert. Heraus kommen humorvoll, rätselhafte Bildkompositionen, die besonders bei den kleineren Formaten an Piktogramme erinnern und entgegen einer eigentlichen Piktogrammaufgabe eine Vielzahl von Assoziationen erlauben.

Nähen, ein tradiertes Medium seit der frühen Menschheit, ist in den letzten Jahrzehnten aus unseren notwendigen Alltagshandlungen verschwunden. Oppenhoff hat dieses, seit Jahrhunderten weiblich belegte Medium für sich als Ausdrucksmittel gewählt und in eine zeitgenössische Bildsprache übersetzt. Sie zeichnet Linien und Skizzen mit Nadel und Faden und macht dabei formal Anleihen beim Comic. Die so entstehenden, meist kleinen bis mittelformatigen Arbeiten gehen jedoch weit über den filmischen oder gedruckten Cartoon hinaus. Collagenhaft sind mehrere Schichten unregelmäßig übereinander gelegt: Zeitungspapier, Fotokopien und zu oberst stets Velinpapier, ein festes, hochwertiges, pergamentartiges Papier, das seine Ursprünge in der mittelalterlichen Buchmalerei hat. Mal mit bunten, mal mit schwarzen Fäden sind die Schichten zusammengenäht, miteinander verbunden. Der Herstellungsprozess bleibt erkennbar. Die Restfäden werden nicht abgeschnitten, vernäht oder versteckt, sie bleiben hängen und werden Bestandteil der Bildkomposition.

Durchsichtig und leicht wirken die Arbeiten, zerbrechlich durch die zarten Fäden und das hochwertige Papier, eine Fragilität, die sich analog in den Inhalten wieder spiegelt. Kinder, Schmetterlinge, Natur, Mensch gemachtes und Menschliches, das Leben an sich – alles ist fragil. Es ist ungewiss, ob alles so kommt, wie man es sich wünscht. Ähnlich dem Tramper in Ihrem Film, der noch nicht weiß, wohin es Ihn verschlägt, richtet die Künstlerin mit einem Augenzwinkern dann auch mal bildlich den Revolver auf den Betrachter, als wäre dieser das Schicksal mit den Worten: Going my way?!