galerie julia garnatz
Irene Altschäffel
zwei oder auch mehr
26.06.–31.07.2010

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Irene Altschäffel
zwei oder auch mehr.
26. Juni bis 31. Juli 2010

Eröffnung: Freitag 25. Juni, 18 – 21 Uhr

In ihrer zweiten Ausstellung in der galerie julia garnatz zeigt Irene Altschäffel (Jahrgang 1977), Absolventin der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, neuere und neueste Arbeiten.

Kleine Gruppen und Paare bevölkern die Bilder und der Titel der Ausstellung fast zusammen: „Zwei oder auch mehr“.
Während in den frühen Bildern der Hintergrund und die Umgebung noch stärker Bestandteil der Arbeiten war, ist er jetzt viel reduzierter, wird nur noch angedeutet oder fällt ganz weg. Der Fokus liegt immer stärker auf den Dargestellten, auf deren Köpfen und Augen. Die Körper werden oft nur mit wenigen Pinselstrichen angedeutet, was die mit extrem verdichtetem Farbauftrag gestalteten Köpfe in beinahe fratzenhafter Verzerrung erscheinen lässt. Mit pastosem Farbauftrag entstehen eigenwillige Gesichter deren Alter kaum einzuordnen ist und die wie durch einen seltenen Gendefekt vorzeitig gealtert scheinen. Kein Lächeln, kaum eine tiefe Gemütsregung bringen die Portraitierten dem Betrachter entgegen. Nicht einmal die Sieger eines Eiskunstlaufes oder eines Staffellaufes zeigen Spuren von Freude auf ihren Gesichtern. Altschäffel düpiert Erwartungshaltung und Sehgewohnheiten. Wo man strahlende Sieger, vor Erfolg strotzende Jäger oder eine fröhliche Gruppe erwartet, sieht sich der Betrachter überraschend verhaltener Mimik gegenüber.

Die Künstlerin arbeitet fast ausschließlich in Öl auf Leinwand und mit unterschiedlichsten Bildvorlagen. Photos, Schnappschüsse von Freunden oder auch Zeitungsbilder – alles kann als konkrete Ideenvorlage dienen. Ein veränderter Bildausschnitt, der neutralisierte und auf wenige Beigaben beschränkte Hintergrund, die Fokussierung auf das verschlossene Gesicht abstrahiert das endgültige Gemälde von der konkreten Begebenheit. Die Allgemeingültigkeit des meist das Bildobjekt und nicht die Person benennenden Titels löst sich von dem namentlich tatsächlich existierenden Menschen der Bildvorlage.

Irene Altschäffel malt Topoi: Matrosen, Jäger, Schulmädchen. Der Betrachter wird auf Distanz gehalten. Er wird nicht einbezogen in das Geschen des Bildes, bleibt außen vor und wird bestenfalls zum Voyeur einer Situation die gar nicht für seinen Blick gedacht war. So voyeurhaft unser und der Malerin Blick auf scheinbar alltägliche Menschen und belanglose Situationen ist, so respektvoll behandelt Irene Altschäffel doch alle ihre Dargestellten. Eindringlich hinterfragen Sie unsere Bilderwartungen und scheinen da manchmal etwas mehr als wir zu wissen.