galerie julia garnatz
Ilona Herreiner
Über den Wolken
und darunter


25.10. - 20.12.2008

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Ilona Herreiner - Über den Wolken und darunter

27. Oktober – 20. Dezember 2008
Eröffnung: Samstag 25. Oktober 2008, 15.00 – 18.00 Uhr

Samstag, 22. November 2008, 12 – 20 Uhr

 

 

 

In ihrer zweiten Einzelausstellung in der galerie julia garnatz präsentiert sich Ilona Herreiner einmal mehr als herausragende Holzbildhauerin. Für Herreiner typisch, sind auch die neuen Skulpturen in Werkzyklen entstanden.

Eine der beiden gezeigten Werkgruppen setzt sich aus drei großen Reiterfiguren zusammen. Auf Ziege, Hahn oder doppelköpfigem Pferd reiten männliche, sonderbar entstellte Figuren. Froschgesicht, Holz-bein oder kleinwüchsige Extremitäten verzerren den Blick auf die sonst betont maskulin gearbeiteten Körper. Die bis zu 200 cm großen Reiter sind rundplastisch geschnitzt und verweigern sich einer Hauptansichtsseite. Nebenszenen steuern unbewusst die Betrachtermotionen. Sie nötigen den Betrachter beinahe die Skulptur zu umschreiten, sich zu bücken oder zu recken. Auf der Entdeckungsreise finden sich Szenarien wie ein verschnürter Rucksack, aus dem kleine Monster den Nacken hochkrabbeln, ein säugendes oder vielleicht doch eher schwanzlutschendes Teufelswesen, ein laichender Hahn, eine kleine Krötenwanderung oder wundersame Vogelwesen. In den Reiterfiguren verschmelzen erlebtes, traumhaftes und chiffrenhaft kodiertes Sehen der Künstlerin. Stehen wir modernen apokalyptischen Reitern gegenüber oder gar karikierten Mannsbildern deren Unzulänglichkeiten wie auf einem Jahrmarkt der Eitelkeiten zur Schau gestellt werden? Der Assoziationskraft des Betrachters sind beim Lesen und Sehen sicherlich keine Grenze gesetzt. Dieser Werkkomplex erweitert die Reihe der ebenfalls farbig gefassten großen, zuletzt in Karlsruhe und Berlin (EnBW) gezeigten weiblichen Skulpturen.

Die Dreidimensionalität von Herreiners Figuren wird im neuesten Werkzyklus um eine zusätzliche E-bene erweitert. In Puppenhausmanier sind aus einem Baumstamm Bühnen mit Rückwänden und Dar-stellern herausgeschält, stets jeweils ein Raum mit bis zu drei Protagonisten. Die ca. 30-50 cm hohen Szenerien warten wie im Standby-Modus auf die Erweckung durch den Blick des Betrachters. Lebendig werden teils derbe bis unheimliche Hinterzimmerphantasien, die im Kontrast zu den bürgerlichen, sparsam arrangierten Requisiten aus Damenschuhen, Stehlampe, Bett oder Sitzgruppe stehen. Bevölkert sind die Zimmer überwiegend von grotesk arrangierten Frauengestalten, die mal sitzen, mal stehen, mal mit Gitarre oder Messer spielen, mal schlafen oder auch mal auf einem zentauer-ähnlichen Zwitterwe-sen reiten. Die Deutungsebenen dieses Werkkomplexes sind auch hier vielschichtig. Der Umzug Herreiners von Karlsruhe nach Berlin als aktueller Bezug zum Thema Wohnräume mag ebenso daraus sprechen, wie die für Herreiners Arbeiten charakteristischen Auseinandersetzung mit dem Menschen, dessen Körper und Seelenzustand.