galerie julia garnatz
Anne Kückelhaus
09.06.2007 - 31.07.2007

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Anne Kückelhaus
9. Juni bis 31. Juli
Eröffnung am Samstag 9. Juni 2007, 15 -18 Uhr

Anne Kückelhaus thematisiert mit ihren Keramikskulpturen die Sensation des Unspektakulären. Die 1977 geborene Absolventin der Kunstakademie Münster war Meisterschülerin bei Timm Ulrichs. 2006 erhielt sie gemeinsam mit Sarah Esser den renommierten Nachwuchspreis für Plastik der Gustav-Weidanz-Stiftung in Halle/Saale.

Ihre Skulpturen zeigen stets lebensgroße Tiere: Katzen, Hunde, Füchse, Lemminge oder Hasen. In den anatomisch exakt beobachteten Positionen übergeht die Künstlerin jeweils die "klassische Pose" des Tier-portraits: das pfotenleckende Kätzchen, der Dürer-Hase, der treue Hund werden zu folienhaften Zitaten. So verkörpern die naturnah gestalteten Tierhüllen vertraute Formeln, während die glasierte Keramikhaut die Hochglanzästhetik einer gehobenen Wohnkultur zu transportieren scheint.

"Angsthasen" und "Katzenjammer", "So oder So" und "Heiß geliebt" - die Titel der Arbeiten greifen die Banalisierung des Alltäglichen und das Spiel mit dem Trivialen virtuos auf. Die ästhetische Spannung wird subtil gesteigert, indem die Tierhüllen etwa mit Objekten aus dem Hausgebrauch wie Wärmflaschen-Stutzen, Handtaschen oder Fleischer-haken kombiniert sind.
Dabei beruht der Reiz nicht auf schlichten Gegensätzen, sondern im Vexierspiel mit über-kommenen Sehgewohnheiten und Erwartungen. Wenn etwa eine schneeweiße Katze verschlafen auf einem roten Kissen kuschelt, könnte der Kontrast zur starren, fragilen und monochrom glänzenden Oberfläche kaum größer sein. Ist diese Katze außerdem durch einen Füllstutzen als ausgelaufene Wärmflasche charak-terisiert, setzt sich die Irritation auf reflektierter Ebene fort. Vermeintlich Vertrautes und Bekanntes wird beunruhigend und befremdlich.