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Gina Lee Felber
“busts and gunmen”
20.01. - 21.02.2009

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Gina Lee Felber - Busts and Gunmen
20.01. - 21.02.2009
Eröffnung: Samstag 17. Januar 2007, 15 - 18 Uhr

"Mein Schatten ist verrückt geworden.
Er glaubt, er wäre der Mensch und – denke Dir nur – ich wäre sein Schatten!"

(Hans Christian Andersen)

Schattenräume und Schattenwelten, ihre Beobachtung mit der Kamera oder ihre Erschaffung auf dem Papier ist eines von Felbers herausragenden Sujets. In der Ausstellung "Busts and Gunmen" eröffnet die Künstlerin diesem Thema eine neue Dimension innerhalb ihres Oevres.

Formal folgen die "Busts and Gunmen" den Temperaserien der "Gefäße" und der "Stühle". Neu an diesem Zyklus ist die Figuration, die erstmalig in Felbers Werk so präsent ist. Vor nachtschwarzem Hintergrund schweben ebenso dunkle Büsten, die lediglich durch schwache, nicht definierbare Lichtquellen einige wenige Highlights erhalten. Aus mal stilisierten, mal sehr lebensnahen Gesichtern blicken uns geisterhaft Augen an, scheinen uns zu fixieren oder sehen durch uns hindurch. Reliquienbüsten, ihrem mittelalterlichen, christlichen Kontext vollends entrückt, treten sie dem Betrachter gegenüber, stumm, wissend. Ihre Präsenz heftet sich unabwendbar an uns, wie der nicht abzuschüttelnde Schatten. Mystisch und zeitlos schweben sie vor dem dunkeltonigen Temperagrund. Keine kirchlichen Heiligen, sondern scheinbar namenlose Männer und Frauen bedienen sich an dem bekannten Bildsujet. Wie ihre mittelalterlichen Vorbilder haben die Büsten im Brustraum eine Öffnung zur Aufbewahrung von Reliquien. Doch finden wir hier nicht die traditionellen, oftmals mit Stoff und Edelsteinen verzierten Knochen. Zur Anbetung angeboten werden Pistolen, schemenhafte Gesichter, undefinierbare Objekte oder augenscheinlich leere Reliquienkästchen, die vielleicht noch auf ihre Befüllung warten.
Auch in diesem Zyklus lassen sich die für Felber typischen Themen ihrer Kunst erkennen: Vergänglichkeit und Tod klingen an, es geht um Hüllen und um Bewahren, um Zerbrechlichkeit, Transitorisches, um Relikte und moderne Reliquien.

Der passive Tod, der aus den ernst blickenden Büsten spricht, wird in der Ausstellung kontrastiert mit dem aktivem Tod der "Gunmen." In gleicher dunkler Tonigkeit und Schattenhaftigkeit wie die Büsten präsentieren martialische schwarze Kämpfer in Heroenpose ihre Waffen. Die Gesichter sind verschlossen und der offene Blick hinter Brille und Tarnkleidung versteckt. Ein "Gunman", das ist ein Amokläufer oder Amokschütze, ein Gangster, ein Bewaffneter oder vielleicht auch ein Soldat. Dunkle Assoziationen erhalten in solcher Gegenüberstellung Raum. Soldaten, sind sie mögliche Bewacher oder gar Befüller der Büsten, die alleine um ihre grausigen Inhalte wissen?

Doch die Künstlerin will keine dogmatische Aussage, sondern bietet in ihren Schattenwelten Denkräume an, die künstlerisch-assoziativ die Gedanken des Betrachters anregen möchten. Damit schlagen die figurativen Arbeiten Felbers eine Brücke zu den ungegenständlichen Fotografien. Diese bilden einen dritten Aspekt der aktuellen Ausstellung und bestechen im Dreiklang mit den Malereien durch ihre inhaltliche Leichtigkeit und werfen einen weiteren Blick auf das Transitorische, den für Felbers Werk immanenten Aspekt.